Wie du deine Stimme verbessern kannst

Neues Jahr, neues Ich? Wie oft hast du dir zu Silvester vorgenommen, mehr für deinen Gesang zu tun? Die Stimme verbessern, mehr Songs lernen, mit mehr Spaß und weniger Panik auftreten? Ich weiß, wie schwer dieser Weg ist und möchte dir helfen, deinen Fortschritt voran zu bringen. Mein Vorschlag: ein 31-Tage-Mitmach-Plan für deine Stimme.

 

Gesangstraining ist eine Reise

Das Reiseziel ist bekannt.

Aber die Reiseroute? Wann du auf den Schnellstraßen unterwegs bist und wo die Rastpunkte liegen?

Vergiss es.

Die kennt nur der Vocal Coach. Mir ging es ja selbst so, als ich angefangen habe, singen zu lernen.

Ab und an fiel mal ein Hinweis, welche Themen in nächster Zeit anstehen oder welche Skills ich unbedingt noch trainieren muss.

Eine Navigation hat mir hingegen niemand gegeben.

Der Fahrplan für dein Gesangstraining

In diesem Artikel findest du einen Plan für deine Stimme.

Er ist in vier Bereiche unterteilt:

  1. Gesangstechnik
  2. Arbeit an Songs
  3. Vorbereiten auf Auftritte
  4. Nachbereitung

In jedem Bereich findest du Tagesthemen und Aufgaben

Mit einem Klick auf die Tagesüberschrift gelangst du zu einem Artikel, der das Thema vertieft.

Mit der anschließenden Aufgabe kannst du das Gelesene direkt umsetzen. Sie dauert nicht länger als 30 Minuten, oft sogar deutlich weniger.

Denn das hier ist kein Artikel, den du einfach liest und abhakst. Ich fordere dich auf, deinen Teil zu tun, um deine Stimme zu verbessern.

Du brauchst:

  • 31 Tage lang ca. 30 Minuten Zeit pro Tag
  • einige Songs, an denen du aktuell arbeitest
  • dein Sing-Journal (dein Notizbuch für Gesang) oder Stift und Notizpapier
  • ein Klavier oder Keyboard bzw. eine App auf dem Smartphone oder Tablet
  • eine Möglichkeit, dich aufzunehmen (Audio am Smartphone genügt)
  • eine Transponier-App auf dem Smartphone oder Tablet

 

Bereich 1: Deine Gesangstechnik

Deine Gesangstechnik ist das wichtigste, an dem du arbeiten kannst und solltest. Sie ist das Fundament deines Gesangs. Fang deshalb hier an.

Tag 1: Wie du dich einsingen kannst

Los geht es mit dem Einsingen. Damit wärmst du nicht nur deine Stimme auf. Duu bereitest auch deinen Geist und deinen restlichen Körper auf die anstehenden Aufgaben vor – ob das nun ein Auftritt, eine Gesangsstunde oder eine Bandprobe ist.

Dieses Basic Warm Up ist als Anhaltspunkt dafür gedacht, dass du dir Übungen heraussuchst, die deiner Stimme gut tun.

Aufgabe: Such dir 5-6 einfache Übungen für dein individuelles Warm Up aus. Du kannst zum Beispiel Übungen aus deinen Gesangsstunden, der Chorprobe oder einem Online-Video verwenden. Singe sie ab jetzt jeden Tag, bevor du mit dem eigentlichen Training deiner Stimme und deiner Songs beginnst.

Tag 2: Wie deine Atmung deinen Sound beeinflusst

Logisch: Ohne Benzin kann ein Auto nicht fahren.

Auch logisch: Ohne Einatmen kannst du nicht singen.

Weniger offensichtlich ist dagegen, dass dir Art deiner Einatmung die Qualität deines Gesangs beeinflusst. Die Bauchatmung ist essentiell für einen ausdrucksstarken Gesang.

Aufgabe: Konzentriere dich heute mehrfach am Tag auf deine Atmung und versuche, aus der Schulteratmung in die Bauchatmung zu kommen. Beobachte dich anfangs in einem großen Spiegel. Darin siehst du, ob du deine Schultern ruhig hältst und dein Bauch sich beim Ein- und Ausatmen bewegt. Wenn du “drin” bist, atme 10 Atemzüge mit der Bauchatmung. Wenn du das eine Woche lang konsequent machst, wird es dir zur Gewohnheit werden und dein Gesang verbessert sich automatisch.

Tag 3: Wie deine Haltung deinen Sound beeinflusst

Dein Kehlkopf sitzt mitten in einem modernen Kriegsgebiet. Deine Körperhaltung und das viele Sitzen mit gebeugter Wirbelsäule sind für gutes und ausdrucksstarkes Singen Gift, weil sie deine Bauchatmung behindern und deinen Körper unflexibel machen.

Aufgabe: Schau heute, wie du beim Üben sitzt und stehst. Ruht dein Kopf auf deiner Wirbelsäule oder neigst du ihn? Korrigiere, was zu korrigieren ist: deine Haltung, die Höhe deines Notenständers oder die Höhe deines Keyboard-Hockers.

Tag 4: Wie du Töne treffen lernst

Die Fähigkeit, Töne zu treffen ist für Sänger sehr wichtig. An ihr misst du dich selbst und andere Sänger, wie gut die Stimme ist. Und doch hat jeder Sänger kleinere oder größere Probleme damit.

Häufigste Ursache: Eine untrainierte Verschaltung zwischen Ohr, Gehirn und Kehlkopf.

Und das kannst du verbessern.

Aufgabe: Finde heraus, in welchem Bereich deiner Stimme du öfters schiefe Töne singst – z.B. “in der Mitte” – und suche die dazugehörigen Töne am Klavier. Dann suche dir eine der fünf Methoden aus, die ich im verlinkten Artikel beschreibe, und trainiere mit ihr diesen Tonbereich. 10 Minuten konzentriertes Arbeiten pro Tag reichen.

Tag 5: Wie du verhindern kannst, dass deine Stimme in die Kopfstimme kippt

Die Kopfstimme ist ein essentieller Bestandteil deiner Stimme. Auch wenn sie in der Popmusik nur sporadisch eingesetzt wird, ist sie enorm wichtig. Sie gibt dir Flexibilität, Weichheit und Klarheit.

Wenn du mit dem Gesangstraining abfängst, kann es jedoch passieren, dass deine Stimme einfach in die Kopfstimme springt, obwohl du das gar nicht willst.

Aufgabe: Denke nach, ob dieses Kippeln nur ab und zu oder regelmäßig auftritt. Dann suche im verlinkten Artikel nach Lösungen, die dich weiter bringen. Trainiere eine davon heute.

Tag 6: Wie du den Unterkiefer öffnen kannst

Du willst eine lautere, kraftvollere Stimme? Die fängt in deinem Unterkiefer an.

Öffne ihn.

Entspanne ihn.

Bleib entspannt.

Aufgabe: Setz dich aufrecht in einen Stuhl oder Sessel mit hoher Lehne, lehne den Kopf an und stelle dir vor, du entspannst dich abends nach einem langen Tag. Du bist kurz vor dem Einnicken. Lass zu, dass dein Mund sich öffnet und dein Unterkiefer herunter hängt. Jegliche Spannung weicht aus deinem Kiefergelenk. Sprich so ein langes “A” und lass ihn weiterhin entspannt und geöffnet herunterhängen. Dann sing auf diesen Vokal ein Stück aus einem Song. Wenn du magst, kannst du auch die gesamte Übung machen, die im verlinkten Artikel beschrieben ist.

Tag 7: Wie du Legato singen kannst

Eine weiter wichtige Fähigkeit beim Singen ist, dass du die Töne gebunden singst. Singen ist eben nicht Sprechen, wo du jedes Wort vom nächsten trennen musst. Du sollst nicht nuscheln, aber militärisch akkurat sollst du auch nicht klingen.

Aufgabe: Nimm dir einen Abschnitt aus einem deiner Songs vor, eine halbe oder ganze Strophe und sprich zunächst den Text. Sprich ihn nochmal, verbinde dabei aber alle Wörter zu einem extralangen Megawort. Versuche, den Unterschied zu hören – oder nimm dich auf und hör es dir an. Dann versuche, diese Legato auf das Singen zu übertragen.

Tag 8: Warum du mit Songs nicht singen lernst

Bis hierhin ist dir wahrscheinlich aufgefallen, dass es in allen Aufgaben um die Entwicklung deiner Stimme ging, aber nichts mit “Songs singen” zu tun hatten. Das hat einen einfachen Grund: Mit “Songs singen” lernst du nicht singen.

Aufgabe: Denk heute mal darüber nach, wie viel Zeit du mit dem Training deiner Stimme verwendest – und wie viel, Songs zu lernen oder zu singen. Was wird dich auf Dauer weiterbringen? Überlege dir 3 Dinge, die du regelmäßig tun kannst und die in deinen Tagesablauf passen, um an deiner Stimme (und nicht an deinen Songskills) zu arbeiten.

Tag 9: Warum Gesangsübungen hässlich klingen müssen

Um schön singen zu können, musst du hässlich klingen. Paradox, aber wahr.

Das Publikum liebt eine kraftvolle und emotionsgeladene Performance. Und die hat viel mehr mit hässlichen Klängen zu tun als mit schönem Gesang.

Aufgabe: Betrachte deine Gesangsübungen heute ganz genau. Sind welche dabei, die dir Kraft vermitteln wollen? Wenn ja, tust du alles dafür, dass sie auch hässlich klingen? Dass du nicht schön und angenehm singst? Falls nicht, ändere die Art und Weise, wie du sie ausführst.

Tag 10: Wie du die richtige Gesangsmethode findest

Jetzt kennst du die Basics des Gesangstrainings. Bevor es morgen mit der Arbeit an Songs weiter geht, möchte ich, dass du dich mit deinem Gesangstraining im Gesamten auseinander setzt.

Es gibt unfassbar viele verschiedene Methoden in der Popmusik, mit denen du deine Stimme verbessern kannst – Neuro-Vocal Method, Estill Voice Training, Complete Vocal Technique, The Four Pillars of Singing, The Zen of Screaming, IVA (Institute for Vocal Advancement), syng:training, funktionales Training, Ken Tamplin Vocal Academy, Universal Voice System … um mal einige zu nennen.

Jede von ihnen fokussiert sich auch unterschiedliche Dinge. Manche davon sind vielleicht genau die Themen, an denen du arbeiten möchtest. Anderes wiederum nicht. Oder eine Methode funktioniert eine Zeitlang super, bis du feststellst, dass du alles kannst, du jedoch weiterlernen möchtest.

Aufgabe: Mach dich schlau, welche Methoden für Pop-Gesangstraining es gibt – egal, ob du mit deiner aktuellen Methode zufrieden bist oder nicht. Es ist normal, dass Sänger im Laufe ihrer Ausbildung verschiedene Methoden ausprobieren. Fang mit dem Artikel an, den ich im Titel des heutigen Tags verlinkt habe. Schau in meine Rezensionen. Benutze eine Suchmaschine, besuche die Webseiten und mach dir eine Liste in deinem Sing-Journal.

 

Bereich 2: Deine Arbeit an Songs

Als nächstes sind deine Songs dran. Zunächst einmal solltest du sie üben, und zwar auf intelligente Weise.

Tag 11: Wie du die richtigen Songs findest

Es ist so leicht, sich vom Radio und den Online-Playlists beeinflussen zu lassen. Welchen Song du als nächstes singst, sollte jedoch auch zu dir passen.

Aufgabe: Lies den verlinkten Artikel und beantworte für dich die 3 dort gestellten Fragen. Dann schau über deine bisherigen Songs drüber und frage dich, was davon zu dir passt und was nicht. Das gibt dir eine erste Orientierung, so dass du deine nächsten Songs nun cleverer aussuchen kannst.

Tag 12: Wie du rückwärts üben kannst

Wenn du einen Song lernst, musst du natürlich die Melodie kennen. Wenn du sie gelernt hast, dir aber weiterhin unsicher bist, hilft das Rückwärts üben.

Aufgabe: Nimm dir einen deiner Songs hervor, bei dem die Melodie noch nicht sicher sitzt. Wähle einen kleinen Abschnitt aus, zum Beispiel eine Strophe oder die Bridge. (Der Refrain geht meist so gut ins Ohr, dass der automatisch sitzt). Sing die letzte Phrase des Abschnitts, präge dir die Melodie ein und wiederhole das so oft, bis es fehlerfrei klappt. Dann nimm die Phrase davor hinzu. Dann die davor, und so weiter, bis du den gesamten Abschnitt problemlos und fehlerfrei am Stück singen kannst.

Tag 13: Wie du deine Aussprache beim Singen verbessern kannst

Geschichten erzählen und Emotionen wecken sind die 2 wichtigsten Aufgaben eines Sängers. Die erste ist leicht zu erreichen, denn Sänger haben anderen Musikern gegenüber einen Vorteil: Wir haben Text.

Und der muss verstanden werden.

Aufgabe: Nimm dir einen deiner Songs hervor und trainiere heute deine Aussprache. Achte auf die Verbindungen zwischen 2 Silben, die ein Wort ergeben, besonders wenn eine dieser Silben lang ausgehalten wird. Mach die Vokale länger. Mach die Konsonanten nicht so scharf, wenn deine Aussprache eher militärisch ist – oder mach sie deutlicher, wenn du eher zum Nuscheln neigst. Im Zweifelsfall: Nimm dich auf und hör dir die Aufnahme an.

Tag 14: Wie du Liedtexte übersetzen kannst

Trau keiner Übersetzung, die du nicht selbst nach deine Verständnis verdreht hat. In Zeiten von Fake News erscheint es mir umso wichtiger, dass wir wirklich wissen, was wir singend sagen und was gesagt wird. Auch in einem scheinbar so unwichtigen Bereich wie Gesang – denn was wären Protestsongs, wenn nicht mal der Sänger wüsste, wogegen er da protestiert?

Aufgabe: Nimm dir einen deiner Songs hervor und übersetze den Liedtext. Falls er in einer Sprache gesungen wird, die du noch lernst, kannst du zunächst auch erstmal eine Strophe oder den Refrain nehmen. Im verlinkten Artikel habe ich dir meine liebste Übersetzungsmethode vorgestellt, mit der du am Ende wirklich weißt, worüber du singst.

Tag 15: Wie du müheloser singen kannst

Im Gesangstraining gibt es wenige Übungen, die so gut sind, dass man sie immer und immer wieder benutzen kann. Das Lippenflattern ist eine solche Universalübung, die die Brücke zwischen Gesangstraining und Songarbeit schlägt.

Aufgabe: Wähle einen der Songs aus, bei dem deine Stimme Probleme hat, z.B. mit hohen, sehr kurzen oder sehr lauten Tönen. Trainiere den Melodieabschnitt mit Lippenflattern statt mit Text. Singe den Abschnitt nach ein paar Runden wieder mit Text und schau, was sich verändert hat. Im Idealfall klingt deine Stimme jetzt glatter und funktioniert müheloser.

Tag 16: Wie du Songs musikalisch gestalten kannst

Etwas weiter oben habe ich davon gesprochen, dass Gefühle im Publikum zu wecken zu den Hauptaufgaben eines Sängers zählen. Eine Art, das zu tun, ist die musikalische Gestaltung deiner Songs.

Aufgabe: Schau dir einen deiner Songs genauer an. An welchen Stellen hast du das Gefühl, dass die Emotionen noch nicht passen? Lies den verlinkten Artikel und frage dich, was du ändern möchtest oder kannst. Du kannst z.B. deine Einsätze verändern, deine Lautstärke, deine Phrasierung oder das Tempo. Wähle 1 Sache aus und probiere es, bis du etwas findest, was dir gefällt und die Emotionen besser darstellt.

Tag 17: Wie du die richtige Tonart für einen Song findest

Singen soll uns Spaß machen und beim Zuhörer gut ankommen. Beides gelingt dir, wenn dein Song in einer Tonart steht, in der deine Stimme ihre Stärken zeigen kann. Und das ist oft nicht die Tonart des Originalkünstlers

Aufgabe: Nimm einen deiner Songs unter die Lupe, bei dem du Probleme mit der Intonation oder den hohen und/oder tiefen Tönen hast. Bei Probleme in der Höhe versuche, den Song tiefer zu singen. Bei Probleme in der Tiefe höher. Und bei Intonationsproblemen schau, ob sie sich verbessern, wenn du den Song 1, 2 Halbtöne höher oder tiefer singst. Am leichtesten geht das mit einer Transponier-App und einer Karaokeversion des Songs.

Tag 18: Wie du langsam üben kannst

Die meisten Fehler beim Singen – bei Gesangsübungen und bei Songs – passieren, weil wir unkonzentriert sind. Songs sollten jedoch felsenfest sitzen, wenn du mit ihnen auftreten möchtest. Dazu verhilft dir das langsame Üben.

Aufgabe: Nimm einer deiner Songs und wähle einen Abschnitt aus, den du noch verbessern möchtest. Das können z.B. Probleme mit der Melodie, den Registern, der Aussprache, dem Rhythmus oder der Atmung sein. Singe ihn so langsam, dass du an deiner Problemstelle nicht in Stress gerätst, sondern entspannt und rechtzeitig verändern kannst, was verändert werden muss. Wiederhole den Abschnitt in diesem langsamen Tempo mehrmals, bis das Problem behoben ist. Dann steigere über mehrere Wiederholungen das Tempo, bis du wieder in deinem Endtempo angekommen bist. Teste deinen Erfolg, indem du einmal den ganzen Song singst und freu dich, dass die bearbeitete Stelle jetzt problemlos klappt.

Tag 19: Wie du Du sein kannst

Jeder Mensch, der singt, ist ein Sänger.

Jeder Sänger hat Vorbilder.

Und jeder Sänger hat eine einzigartige Stimme.

Trau dich, der Welt deine zu zeigen.

Aufgabe: Wähle heute einen Song aus, bei dem du – bewusst oder unbewusst – versuchst, genauso zu klingen wie der Originalkünstler. Frage dich, was dich an diesem Song anspricht. Hast du vielleicht eine andere Sichtweise auf das, worum es im Lied geht? Hast andere Erfahrungen gemacht? Bist zu anderen Erkenntnissen und einer anderen Meinung gekommen? Auch kleine Nuancen machen einen Unterschied! Und dann sing den Song mit genau dieser Einstellung. Es geht nicht darum, schön zu klingen. Sondern so wie Du.

Tag 20: Wie du dein Rhythmusgefühl stärken kannst

Dein Rhythmusgefühl macht den Unterschied zwischen einer holprigen Darbietung und einer gelungenen. Um es zu stärken, stelle ich dir eine vielfach erprobte Strategien vor. Neben den o.g. Dingen brauchst du ein Smartphone mit einer Metronom-App.

Aufgabe: Nimm deinen Song und überlege dir, wie schnell du ihn letztendlich singen können möchtest. Notiere dir die BPM-Zahl und trainiere ihn so oft langsam, bis du ihn ohne Rhythmusprobleme singen kannst. Steigere dich – entweder direkt heute, wenn der Song dir fast keine Probleme bereitet, oder über mehrere Tage – bis du ihn in deinem angestrebten Endtempo singen kannst.

 

Bereich 3: Deine Vorbereitung auf Auftritte

Selbstverständlich möchtest du früher oder später auftreten. In diesem dritten Bereich geht es darum, deine Songs zu polieren und dich auf einen Auftritt vorzubereiten.

Tag 21: Wie deine Stimme klingen kann

Du weißt genau, wie unterschiedlich Adele, Whitney Houston, Shakira und Bonnie Tyler klingen. Wie anders Joe Cocker singt im Vergleich zu Eros Ramazotti.

Whitney hat ganz viel Soul und Wärme. Bonnie klingt wie ein Reibeisen. Adele sanft und etwas dunkel. Und Shakira klang früher sehr kehlig.

Bei Joe kratzt viel, während es bei Eros wie flüssiger Honig rinnt.

Das sie so unterschiedlich klingen, liegt nicht nur daran, dass es unterschiedliche Menschen sind. Wie sie ihre Stimmen einsetzen, spielt ebenfalls eine Rolle.

Vocal Effects prägen eine Stimme.

Aufgabe: Überlege dir, ob dein Song, den du für deinen nächsten Auftritt ausgesucht hast, bereits so klingt, wie du ihn dir vorstellst. Falls nicht, frage dich, an welchen Stellen du anders klingen möchtest. Falls du unsicher bist, hör dir den Song im verlinkten Artikel an, um einen Einblick in die Bandbreite der menschlichen Stimme zu bekommen.

Tag 22: Wie du den Ernstfall „Mikrofon“ probst

Das Mikrofon gehört zum Popsänger von heute, wie die E-Gitarre zum Band-Gitarristen. Damit du bei deinem Auftritt keine Panik bekommst, solltest du bereits damit trainiert haben, denn das Mikrofon macht vieles anders. Du klingst anders – und daran musst du dich erst gewöhnen. Du hast was in der Hand, was einigermaßen schwer ist und deine üblichen Gestik verändern wird. Und das Tanzen würde ich eher lassen – es sei denn, du möchtest über das Kabel stolpern.

Mit einer kleinen Gesangsanlage kannst du bereits zuhause proben, wie sich der Ernstfall anfühlen wird.

Aufgabe: Falls du noch kein Equipment hast, mach dich schlau, was es gibt und wo du es zu welchem Preis bekommen kannst. Falls du bereits eine Gesangsanlage hast, übe deinen Song heute damit.

Tag 23: Wie du A Cappella singen kannst

Es wird Zeit, deinen Song aufzupeppen. Ganz leicht geht das mit A Cappella Gesang, der frischen Wind hineinbringt. Dabei singst du einen Abschnitt oder den gesamten Song ohne instrumentale Begleitung. Für den Anfang empfehle ich dir, es mit einem Abschnitt zu versuchen.

Aufgabe: Nimm dir heute einen Song vor, den du bereits sehr gut kennst und den du etwas anders als das Original singen möchtest. Überlege dir, welche Stelle du a cappella singen möchtest und übe diese. Trainiere den Übergang von der vorherigen, begleiteten Stelle hinein in die unbegleitete. Übe, wie du von der unbegleiteten Stelle in die nachfolgende, wieder begleitete Stelle kommst. Und natürlich den A Cappella Part an sich, wo du ganz besonders auf deine Intonation und dein Rhythmusgefühl achten solltest.

Tag 24: Warum du dich selbst aufnehmen solltest

Wenn du allein singen übst – und sind wir mal ehrlich, dass tust du immer dann, wenn du nicht gerade vor deinem Vocal Coach stehst – dann brauchst du eine Möglichkeit, dir selbst Feedback zu geben. Was du gut machst und woran du noch arbeiten solltest, dann hörst du am leichtesten, wenn du dein Gesangstraining aufnimmst.

Aufgabe: Wähle heute eine Gesangsübung oder einen Abschnitt aus einem Lied aus, bei dem du dir nicht sicher bist, ob du es richtig singst. Nimm dich selbst auf, während du dies singst. Hör dir anschließend deine Aufnahme an. Versuche herauszufinden, was das Problem ist und überlege, wie du es beseitigen kannst. Probiere diese Strategien aus, nimm dich dabei jeweils auf und werte die Aufnahmen anschließend aus. Wiederhole es, bis du dieses Problem verbessert oder behoben hast.

Tag 25: Wie du den Songtext üben kannst

Schau dir heute den Text deines Liedes nochmal genauer an. Wie ich weiter oben schon gesagt habe, ist der Text den einzige Unterschied zwischen Sängern und Musikern. Es ist unsere Aufgabe, dem Zuhörer diese Seite des Liedes näher zu bringen, denn nur wir können das.

Aufgabe: Wähle eine Strategie aus dem verlinkten Artikel aus, Nummer 2, 3 oder 4, je nachdem, wie gut du den Song schon gelernt hast. (Nummer 1 ist die Vorbereitung des Texts. Auch wichtig. Aber die anderen Methoden sind wichtiger.) Trainiere deinen Text damit.

Tag 26: Wie du mehrstimmig singen kannst

Eine andere Art, einem bekannten Song eine unerwartete Wendung zu geben, ist ihn mehrstimmig zu singen. Das kann zusammen mit anderen Sängern sein. Du kannst aber auch den Weg von Ed Sheeran einschlagen und eine Loop-Station benutzen. Für den Anfang reicht aber eine Recording-App.

Aufgabe: Überlege dir heute, welchen deiner Song du dir mehrstimmig vorstellen kannst. Gibt es eine konkrete Stelle, wo es ganz besonders gut passen würde? Spiele eine Aufnahme des Songs ab und sing dazu eine zweite Stimme. Damit du währenddessen nicht auch noch analysieren musst, ob es sich gut anhört, nimm es auf und hör es dir anschließend an.

Tag 27: Wie du gefühlvoll singen kannst

Fällt es dir auch so schwer, Emotionen zu zeigen? Wann dürfen wir das schon mal in unserem Alltag? Es erfordert Mut und ein kleines Bisschen auch, dass wir uns öffnen. Deswegen fällt es uns auch oft so schwer, beim Singen unsere Gefühle auszudrücken.

Genau dazu hast du heute die Möglichkeit.

Aufgabe: Nimm einen Song, der deiner Meinung nach noch mehr Emotionen (oder eine klarere Emotion) vertragen könnte. Wähle eine der im verlinkten Artikel genannten Emotionen aus und probiere, den Song in dieser Grundemotion zu singen.

Tag 28: Wie du deine Aufmerksamkeit fokussierst

Kurz vor einem Auftritt steht viel an, woran du noch denken und was du noch trainieren willst.

Die rotierende Aufmerksamkeit verschafft dir Ruhe und Überblick in chaotischen Zeiten.

Aufgabe: Nimm deinen Song, den du performen möchtest, und liste in 1 Minute alles auf, was noch nicht toll läuft. Dann überlege dir je 1 Strategie pro Problemstelle. Und jetzt übst du sie alle der Reihe nach. Einmal singen mit der Strategie gegen Problem 1. Runde 2 für Problem 2. Runde 3 für Problem 3. Wenn du durch bist, fängst du wieder von vorn an, bis alle Stellen besser laufen.

Bereich 4: Deine Nachbereitung

Als Letztes widmen wir uns der Nachbereitung. Und weil nach dem Konzert auch bald das nächste anstehen wird, geht es in diesem Bereich darum, wie du deinen Gesang auf das nächste Level bringst.

Tag 29: Welche Optionen du beim Selbständig Singen lernen hast

Jeder Sänger ist Autodidakt. Auch wenn du Gesangsstunden nimmst, in einer Band singst oder regelmäßig zu Chorproben gehst.

Du bist Autodidakt in der Zeit zwischen einer Probe und der nächsten. Zwischen einer Gesangsstunde und der nächsten.

Schau deshalb, dass dein Gesangstraining dir das gibt, was du brauchst. Falls es Lücken gibt, kannst du es mit einem Programm zum Selbststudium ergänzen.

Aufgabe: Liste alles auf, was du können willst, z.B. schnelle Riffs singen, kraftvolle hohe Töne, mehr Klarheit, a capella singen, mehrstimmig, die Stimme ohne Wackeln lang aushalten können, ein glatter Übergang zwischen Bruststimme und Kopfstimme, Bruststimme stärken. Sortiere diese Liste nach Wichtigkeit. Frage dich: “Wenn ich nur 5 Sachen davon lernen und meistern könnte, was wäre es?” Diese 5 Dinge haben oberste Priorität in deinem Gesangstraining. Schau, dass dein Selbststudium diese Ziele bearbeitet.

Tag 30: Wie du das Song-Chaos bewältigst

Wenn du bis hierhin fleißig warst, wirst du jetzt einige Songs haben, an denen du arbeitest. Andere werden dir im Kopf herum schwirren, weil du sie “irgendwann mal” singen willst. Und dann sind da die, die du so ins Herz geschlossen hast, dass du sie dauernd singst.

Was ein Chaos!

Ordnung schaffen ist angesagt. Gesanglicher Frühjahrsputz sozusagen.

Aufgabe: Sammle alle deine Songs und Ideen ein und fang 3 Listen an: 1. Work In Progress; Songs, an denen du aktuell arbeitest. 2. Wunschsongs. Songs, die du interessant findest und irgendwann später mal singen willst. 3. Standby; Songs, die du kannst und für längere Zeit in deinem Repertoire haben willst. Schreib sie in dein Practice Journal.

Tag 31: Wie du weiß, was du üben sollest

Yeah, Endspurt. Noch ein letztes Mal konzentriert arbeiten.

Bis jetzt wirst du einiges für deine Stimme und dein Gesangstraining getan haben, das dich für die nächsten Wochen und Monate vorwärts bringt. Aber das ist nur der Anfang!

Überlege dir, wie es weiter gehen soll. Vor 2 Tagen hast du für dich festgelegt, welche Skills du noch trainieren möchtest. Heute zeige ich dir den Artikel, den du dir abspeichern solltest. Dort findest du alle Themen der Gesangstechnik und der Songarbeit, die Sänger intensiv trainieren sollten und wie sie das anstellen.

Aufgabe: Finde den Artikel, der zu deinem Gesangslevel passt und lies ihn. Gleiche deine Ziele der nächsten Wochen mit den dort beschriebenen Aktionen ab. So leicht hast du den nächsten Abschnitt deiner Reise festgelegt.

Es führen viele Wege nach Rom

Dein Reiseziel “meine Stimme verbessern” ist super. Wie dein Weg zu einer besseren Stimme jedoch im Detail aussieht, das weißt nur du (und dein Vocal Coach).

Dieser Artikel ist nur eine Skizze. Eine Sammlung von Ideen und Fertigkeiten im Gesangstraining, die ich als Vocal Coach wichtig finde und die bei meinen Sängern zu guten Ergebnissen führt.

Deine Reiseroute kann anders ausschauen.

Nimm deshalb meinen Plan und probiere ihn aus. Geh ihn nach besten Kräften. Und wenn es nicht funktioniert, dann ändere den Plan.

make a plan stick to it change Richtig und Falsch beim Warm Up

Das Wichtigste jedoch ist:

Komm ins Tun!

Erzähl deiner Mutter, deinen Kindern, deinen Nachbarn und Freunden von deinem Plan. Verpflichte dich ihnen gegenüber, 31 Tage lang dein Stimme zu trainieren. Dann geh in den Probenraum und leg los!

Und ab und an würde ich mich freuen, wenn du hier auf dem Blog wieder herein schaust, denn dieses Jahr widme ich mich verstärkt dem Thema Üben. Ich zeige dir Strategien und Mindsets, damit du schlauer üben kannst.

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