Wie du deine Intonation kontrollieren kannst
Sauberes Singen von Tönen ist ein wichtiges und oft besprochenes Thema im Gesang. Doch wie kannst du deine Intonation kontrollieren – vor allem ohne fremde Hilfe?
Intonation muss jeder Sänger haben. Sie gilt ein Gradmesser von “gutem Gesang”. Ich will heute nicht darüber streiten, wie subjektiv die Bewertung von Gesang ist. Oder dass sauberes Singen von Tönen nur einer von vielen Parametern ist, die Sänger ausmachen. Oder dass das Thema Sänger ein Leben lang begleitet, weil das Instrument Stimme sehr dynamisch und mit der menschlichen Psyche verwoben ist.
Heute möchte ich all jenen Sängern helfen, die eine Möglichkeit suchen, ihre Intonation zu kontrollieren, wenn sie allein singen.
Prüfe deine Intonation ohne fremde Hilfe
Schon beim Gesangstraining ist es nützlich, dass du deine Tonhöhen überprüfen und korrigieren kannst, denn beim Üben bist du allein.
Falsche Töne können aber auch im Online-Gesangsunterricht passieren. Ich habe in den vergangenen Wochen festgestellt, dass die Technik Tonhöhen manchmal verzerrt wiedergibt. Gepaart mit einem weniger sensiblen Ohr singt der Sänger dann einen Halbton höher oder tiefer, als ich eigentlich vorgegeben hatte.
Das Problem dabei ist, dass der Sänger nicht wahrnimmt, dass die Intonation abhaut.
Dein Gehör ist einer von zwei wichtigen Feedback-Gebern beim Singen. Allerdings nur, wenn du es gut trainiert hast. Du musst keine Luchsohren bekommen, aber Abweichungen von einem Halbton oder mehr solltest du wahrnehmen können, um von einem guten Gehör zu sprechen.
Und das dauert Zeit, denn das Gehirn lernt dabei eine Reihe von Signalen wahrzunehmen und zu interpretieren, die es bisher ignoriert hat.
Eine visuelle Darstellung der Töne kann dabei helfen.
Intonation kontrollieren mit Apps
Die Lösung ist simpel und in wenigen Minuten installiert. Alles, was du brauchst, ist ein Smartphone oder Tablet und eine App, die dir in Echtzeit Feedback zu deinen gesungenen Tönen gibt.
Ich habe gute Erfahrungen mit diesen 3 gemacht:
- TonalEnergy Tuner von TonalEnergy – hier für Android | iOS
- Vocal Pitch Monitor von Tadao Yamaoka – Android | iOS
- Nail the Pitch – Vocal Monitor von Autumn Rock Software Development – Android | iOS
Rechtlicher Hinweis:
Die Verlinkung erfolgt allein aus Gründen der besseren Auffindbarkeit.
Ich habe keinerlei Verbindung zu den genannten Apps und verdiene nichts mit der Verlinkung.
Die Apps hören dir beim Singen zu und stellen deine gesungenen Töne visuell dar.
Darüber hinaus musst du die Basics der Musiktheorie verstehen, um die Apps bestmöglich nutzen zu können:
- Wie heißen die Töne auf einer Klaviertastatur?
- Warum sind manche Tasten weiß, andere schwarz?
- Wo liegen typischerweise die Halbtöne in einer Tonleiter?
- Wie verläuft die Melodie der Gesangsübung oder des Song-Abschnitts?
- Ist die Gesangsübung, die du singst, in Dur oder in Moll?
- Welche Töne solltest du idealerweise treffen?
Unwichtig ist dagegen, ob du in absoluten Tönen denkst (d – fis – a – fis – g – e – d) oder in abstrakten Höhen (Grundton – Terz – Quinte – Terz – Quarte – Sekunde – Grundton). Zweiteres hat den Vorteil, dass du deine Übungen schneller auf verschiedenen Starttönen singen und kontrollieren kannst. Ersteres führt jedoch auch zum gewünschten Ziel.
Übe deine Intonation wie ein Mensch
Intonation ist ein wichtiges Thema für Sänger, aber mach dich bei der Benutzung der Apps nicht verrückt.
Apps sind unerbittlich genau. Sie nehmen jede Millisekunde auf und verzeichnen so auch, ob du für den Bruchteil einer Sekunde in eine andere Tonhöhe gerutscht bist. Im unten stehenden Bild sieht du das zum Beispiel in der linken Phrase am höchsten Ton. Diese Ausrutscher passieren so schnell, dass es dein Ohr gar nicht registriert.
Mal ganz ehrlich: Du bist Mensch, keine Maschine. Du musst nicht ultragenau wie z.B. eine Geige intonieren. Natürliche Varianzen sind normal und lassen deine Stimme lebendig klingen.
Mir zeigen die Apps regelmäßig an, dass ich innerhalb der Frequenz hoch bis grenzwertig zu hoch bin.
Jetzt kenne ich mich selbst aber auch schon ein ganzes Stück. Ich weiß, dass ich erstens eine helle Stimme habe. Zweitens stimme ich meine Gitarre und meine Ukulele obertonreich, mit der Tendenz “knapp unterhalb von »zu hoch«”. Meine Stimme hat sich daran angepasst.
Trainiere deine Intonation wie ein Sportler
Beim Kraftsport arbeiten Sportler an ihren Muskeln. Ein Anfänger fängt nicht mit einer 30kg-Hantel, 60 Minuten und 200 Wiederholungen an. Er arbeitet sich hoch. Er beginnt vielleicht bei 1kg, 5 Minuten, 5 Wiederholungen.
Beim Singen arbeitest du ebenfalls mit Muskeln. Aber noch wichtiger: du arbeitest mit dem Gehirn, deinem größten “Muskel”.
Dein Gehirn lernt beim Intonationstraining komplett neu zu hören. Wenn du bis zur (mentalen) Erschöpfung an deiner Intonation arbeitest, macht dein Gehirn leichter Fehler. Außerdem speichert der Körper das negative Gefühl und assoziiert es mit dem Training. Vielleicht merkst du es nicht direkt am nächsten Tag, sondern erst in 3 Wochen, aber dir wird die Lust am Training vergehen.
Gib deinem Gehirn deshalb ausreichend Ruhepausen. 2x am Tag 5 Minuten reichen für den Anfang vollkommen aus.
Apps, um die Intonation kontrollieren zu können, sind nicht die alleinige Lösung. Aber sie können stabile Stützräder sein, während dein Gehirn lernt, das Gehörte richtig einzuordnen und die richtigen Signale an den Kehlkopf zu schicken.
Egal ob im Gesangstraining oder im Online-Gesangsunterricht: Schaff dir Sicherheitsnetze mithilfe von Apps, wenn Intonation eine deiner Herausforderungen beim Singen ist.

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Oh, endlich eine gute App, habe immer danach gesucht. Meine Lieblings App gibt es nicht mehr, also werde ich ab nun diese meinen Schäfchen empfehlen, danke und liebe grüße aus Lübeck. :=)
Gern doch, Susanne. LG Jesica