Ich weiß nicht, was ich üben soll! – Songarbeit für Anfänger
Du bist Anfänger oder Wieder-Einsteiger im Gesang und weißt, dass du üben sollst. Aber was eigentlich? In der Artikelreihe „Ich weiß nicht, was ich üben soll!“ gebe ich dir konkrete Tipps, wie du mehr aus deinem Repertoire herausholen kannst. Der heutige Fokus: Songarbeit für Anfänger.
Alle Artikel der Reihe findest du hier.
Von früheren Blogbeiträgen weißt du, dass du im Gesangsunterricht an deiner Gesangstechnik und an Songs arbeitest. Unter der Anleitung deines Vocal Coaches ist das auch alles einfach. Aber dann willst du zuhause üben und weißt gar nicht so recht, was du eigentlich üben sollst.
Was bringt dich weiter?
In der „Hilfe! Ich weiß nicht, was ich üben soll!“-Artikelreihe zeige ich dir, welche konkreten Aspekte du üben kannst. Das Ergebnis? Du machst schneller Fortschritte.
Die Songarbeit allgemein
- Setz dich intensiv mit deinen Songs auseinander. Alle Bausteine – Melodie, Rhythmus, Metrum, Text – sind wichtig. Stimmt ein Baustein nicht, fällt das ganze Bauwerk zusammen.
- Mach Babysteps. Unterteile deine Songarbeit in mehrere, kleine Schritte, die du anschließend wie ein Puzzle wieder zusammensetzt.
- Übe Seltenes häufiger. Schusselfehler passieren immer in Passagen, die nur 1, 2 Mal im Song auftauchen. Gleiche dieses Ungleichgewicht aus.
- Probe die Übergänge. Auch hier passieren Flüchtigkeitsfehler.
- Lerne den Ablauf auswendig. Egal, ob du den Ablauf des Originalkünstlers übernimmst oder deinen eigenen Spannungsbogen baust, lerne den Ablauf deiner Formteile.
- Befasse dich intensiv mit Wechseln innerhalb der Musik. Taktwechsel, Tempowechsel und Modulationen sind häufige Stolperstellen. Übe sie langsam.
- Finde die Problemstellen. Die Schweizer Käse Methode hilft dir, sie zu finden. Wenn dir mehr als 50% des Songs Probleme bereiten, ist der Song noch zu schwer für dich. Mit der Vier In Einer Reihe Methode eliminierst du sie.
- Probe erst die schwierigen Stellen. Die leichten Abschnitte sind dann die Belohnung.
Der Song im Ganzen
- Sing den Song einmal ganz durch. Das Tempo darf bequem sein. Schau, was heute gut klappt und wo es noch hapert.
- Überprüfe deine Gesangstechnik. Funktioniert die Anwendung deiner Technik im Song? Songarbeit und Gesangstechnik sind wie Yin und Yang.
- Review einzelne Teile des Songs während des Übens.
Die Melodie
- Hör dir die Melodie genau an.
- Lerne die Melodie. Verwende dazu eine einfache Silbe oder einen Vokal. Aber keinesfalls den ablenkenden Text.
- Sing die Melodie ohne Rhythmus. Überprüfe dabei die Intervalle.
- Trainiere Intervalle, die dir Probleme bereiten.
- Finde gleiche oder ähnliche Melodieabschnitte. Markiere die Unterschiede und trainiere sie.
- Finde und singe deine Einsätze und Anschlusstöne von einem Formteil zum nächsten.
- Übe, deine Einsätze aus dem Gedächtnis zu singen. Verlass dich nicht darauf, dass der Gitarrist dir immer deinen Ton vorzupfen kann.
- Kontrolliere die Atemstellen. Wo hast du mehr Zeit, wo weniger zum Atmen?
- Überprüfe deine Gesangstechnik bei Tönen in den Extremlagen.
Der Rhythmus
- Klatsche nur den Rhythmus, ohne Töne und ohne Text.
- Übertrage den geklatschen Rhythmus aufs Singen. Mit Text oder auf eine Singsilbe.
- Isoliere Probleme. Übe sie separat und meistere sie, bevor du sie wieder in den Song integrierst.
- Laufe den Grundschlag mit, während du den Song anhörst.
- Lerne, das Metrum zu halten. Ein Metronom hilft dir dabei.
- Finde das Tempo heraus. Ein Metronom mit Tap-Funktion ist dabei nützlich.
Der Text
- Sprich nur den Text. Achte dabei auf deine Aussprache.
- Sprich den Text im Rhythmus. Wähle ein Tempo, in dem du die Rhythmen bequem schaffst.
- Sprich den Text im Rhythmus in dem Tempo, in dem du den Song singen willst.
- Achte auf eine saubere Aussprache der Vokale. Sing oder sprich dazu den Text nur auf den Vokalen.
Die Improvisation
- Erfinde zu einer Aufnahme eine zweite Stimme. Das geht super in Formteilen, wie dem Refrain, die häufig wiederkehren.
- Geh zu einem Circle Singing.
Der Auftritt
- Lerne deine Songs auswendig.
- Wechsle zwischen auswendig singen und „mit Noten singen“ ab. Überprüfe, ob du alles so singst, wie du es geplant hast.
- Übe deine Songs mit Metronom, um das Tempo einzuhalten.
- Mach eine Durchlaufprobe. Egal, ob das rein musikalisch ist, rein szenisch oder beides zusammen: Probe es. Sei dir bewusst, wann du dir selbst oder der Band Cues gibst.
- Probe den Einstieg in den Song und den Ausstieg. Mit welcher Energie und Emotion beginnst du den Song? Wie klingt er aus?
- Übe die Übergänge zwischen Songs. Wie leitest du über – mit oder ohne Zwischenmoderation? Wenn du auf ein paar Worte zum Publikum verzichtest, schau, dass die Übergänge in den Energieleveln passen. Eine Ballade, gefolgt von einer Rocknummer, der nächsten Ballade und danach erneut zu einer Uptempo-Nummer kommt dem Publikum wie eine unfreiwillige Achterbahnfahrt vor. Wenn du zwischen den Songs moderiert, was willst du ungefähr sagen?
- Trainiere die Ausdruckslevel und Ausdruckssteigerungen, bis du sie automatisch abrufen kannst. Während des Auftritts kannst du den Ausdruck immer noch spontan ändern. Ein Automatismus ist aber nützlich, wenn du zum Beispiel unter starkem Lampenfieber leidest, etwas im Publikum dich spontan verwirrt oder ablenkt, oder deine Tagesform nicht so optimal läuft wie sonst.
Fazit
Wie du siehst, kannst du eine ganze Menge an deinen Songs proben. Du musst aber keinesfalls alles durchexerzieren. Such dir einfach zwei, drei Punkte aus und schau, wie sich deine Songs damit verbessern.
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