Wie du deine strapazierte Stimme pflegst
Vielleicht kennst du das: Du hast ein komisches Gefühl im Hals, irgendwas nicht stimmt, aber es läuft grad richtig gut. Du weißt, du solltest eine Pause einlegen, aber eigentlich willst du nicht aufhören. Was kannst du tun, wenn du eine strapazierte Stimme hast? Darum soll es heute gehen.
Zunächst einmal: Es ist eine ganz normale Situation. Jeder Sänger hat das schon mal erlebt. Wenn du beim Singen ab und an heiser wirst, oder sich deine Stimme nach dem Singen müde anfühlt, bist du nicht allein.
Deine strapazierte Stimme zeigt dir damit, dass etwas nicht so funktioniert, wie es sollte.
- Entweder ist dein Körper schlapp und unterstützt die Stimme nicht (mehr) korrekt. Das kann zum Beispiel passieren, wenn du nach einem anstrengenden Arbeitstag unbedingt in die Bandprobe musst (weil ein Gig ansteht), obwohl du lieber ins Bett gehen würdest.
- Oder du benutzt deine Stimme falsch. Das kann passieren, wenn du in der falschen Tonart singst, die nicht zu deiner Stimme passt, oder in der Höhe schreist, statt in die Kopfstimme zu wechseln.
First things first: Hör auf zu singen!
Sobald du merkst, dass etwas nicht stimmt, mach eine Pause.
Deine Stimme kann zum Beispiel…
- heiser klingen
- sich rau anfühlen
- sich ungewohnt warm anfühlen (und nicht im positiven Ich-bin-so-unglaublich-gut-eingesungen-Sinn)
- weh tun
Schmerz ist ein Warnsignal deines Körpers. Sozusagen deine ganz eigene Alarmanlage. Einen Alarm ignorierst du nicht einmal mal eben so.
Lass die Stimme ruhen
In der Pause ist es wichtig, dass du deine Stimme gar nicht benutzt. Nicht singen und nicht sprechen. Letzteres beansprucht eine überstrapazierte Stimme nämlich genauso.
Die Pause muss nicht lange dauern. 10 bis 15 Minuten reichen oft schon. In der Zwischenzeit kannst du prima Aufgaben erledigen, die keinen Gesang erfordern oder einfach einen Tee mit Honig trinken.
Wenn das Singen für den Tag abgehakt ist, kann die Pause natürlich auch länger dauern.
Soft, softer, SOVTEs
Wenn du trotz Ermüdung noch ein bisschen weiter singen musst, kannst du kurzzeitig auf SOVTEs umsteigen.
SOVTEs sind “Semi-Occluded Vocal Tract Exercises”, d.h. Gesangsübungen, bei denen der Mund mehr oder weniger verschlossen ist. Summen auf “m”, “w” oder “s”, das Lippenflattern, das Singen durch einen Strohhalm oder das Blubber-Singen mit dem Lax Vox-Schlauch gehören dazu. Wähle eine Übung mit einem geringen Tonumfang, z.B. einer Terz oder Quinte und mach die Übung in der Mittellage deiner Stimme.
Sie sorgen für einen Druckausgleich im Raum oberhalb und unterhalb der Stimmbänder und verbessern so den Stimmbandschluss. Außerdem reaktivieren sie die Kopfstimmfunktion, einer der zwei Hauptfunktionen der Stimme und die, die bei falschem Gebrauch der Stimme zuerst weg bricht.
Mit einer SOVTE kannst du auch schwierige Stellen in einem Song üben. Oft behebt das die Probleme. Im Mindestens kannst du danach aber mit halbem Gas weitersingen, statt dich totzubrüllen und tagelang keinen Pieps herauszubringen.
Auf welchem Planeten warst du denn gerade?
Manchmal sind wir so mit unseren Gedanken beschäftigt, dass wir gar nicht merken, was um uns herum passiert. Leider trifft das auch auf den Körper zu und was er gerade tut.
Wenn du öfter eine strapazierte Stimme hast, überprüfe, wo deine Gedanken in dem Moment waren. Wenn du abgelenkt bist, achtest du nicht mehr darauf, was dein Körper tut und übersieht so die ersten Warnsignale. Der Stress kann aus vielen Bereichen deines Lebens kommen: Druck auf der Arbeit (mental), Streit in der Familie (emotional), ein Konflikt zwischen dem, was du willst und was deine Mitmenschen von dir erwarten (psychologisch).
In solchen Fällen hilft: Raus aus dem Kopf, rein in den Körper. Mach Dehnübungen mit Yoga, Stretching oder Pilates. Jogge eine Runde um den Block. Körperliche Aktivität holt dich wieder ins Hier und Jetzt.
Genauso gut kann aber auch Meditation helfen, um deine Gedanken in den Griff zu kriegen.
Wenn deine Gedanken das nächste Mal vom Singen abschweifen, probier es einfach aus. Finde 1-2 Dinge, die für dich funktionieren und pack sie für’s nächste Mal in deine vokale Werkzeugkiste.
Fazit
Eine strapazierte Stimme kann mit einfachen Handlungen wieder in Form gebracht werden. Am wichtigsten: Mund halten, auch wenn es schwer fällt. Meiner Erfahrung nach ist eine ansonsten gesunde Stimme nach 3-4 Stunden Erholung wieder fit.
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