Singen mit Metronom – ist das nötig?
Kämpfst du beim Singen mit dem Tempo? Singst du mal schneller und mal langsamer? Wo die 1 im Takt ist, ist dir ein Rätsel? In diesem Artikel möchte ich dir zeigen, warum du das Singen mit Metronom beherrschen solltest.
Singen mit Metronom – Was ist eigentlich ein Metronom?
Ein Metronom ist ein Gerät, dass in einem gleichmäßigem Tempo klickt. Dieses Tempo wird auch Beat oder Grundschlag gennant.
Metronome gibt es in zwei wesentlichen Ausführungen: mechanisch und elektronisch bzw. digital. Letztere sind oft in andere Geräte integriert, z.B. in Keyboards / Digitalpianos oder in Stimmgeräte. Für Smartphone-Besitzer gibt es Metronome auch als App.
Ein mechanisches Metronom hat nur einen Vorteil. Es steht in deinem Proberaum. Durch diese physische Präsenz wirst du immer wieder daran erinnert, damit zu üben. Die Nachteile? Du kannst es nicht so gut transportieren. Es ist immer auf laut gestellt, was deine Mitbewohner spät abends stören wird. Du kannst die Lautstärke nicht verändern. Die Feder, die es antreibt, muss regelmäßig neu aufgezogen werden. Was auch bedeutet, dass es langsamer wird, wenn die Federspannkraft nachlässt.
Ein elektronisches oder digitales Metronom ist preislich günstiger. Du erhältst es im Musikalienhandel schon ab 10 Euro. Es ist relativ platzsparend. Es hat zwei große Vorteile: Du kannst es stufenlos einstellen. Du kannst es mit Kopfhörern benutzen.
Unter den Metronom-Apps findest du sehr brauchbare, die voll ausgestattet und kostenlos sind. Super, um das Singen mit Metronom überhaupt auszuprobieren. Außerdem kannst du einzelnen Klicks einen anderen Ton geben, um zum Beispiel die 1 des Taktes zu markieren. Du kannst verschiedene Taktarten und Rhythmen einstellen.
Welche Art Metronom du benutzt, ist dir überlassen. Elektronische, digitale und Metronom-Apps können letztlich dasselbe wie mechanische Metronome: dir eine Kette von gleichbleibenden Klicks geben. Die vielen Einstellungsmöglichkeiten können dich vom eigentlichen Zweck des Metronoms ablenken oder bewirken, dass du über dich hinaus wächst. Du selbst kannst am besten entscheiden, wie technisch es sein muss.
Singen mit Metronom – Die geschätzte Minute
Doch wozu brauchen Musiker eigentlich ein Metronom?
Lass mich dir von einem Experiment erzählen. Ein Klassenzimmer voller Schüler, vorn steht der Lehrer mit einer Uhr in der Hand. Er bittet die Schüler, die Augen zu schließen. Sie sollen eine Minute abwarten und dann ihre Hand heben. Die Schüler schließen ihre Augen. Nach 25 Sekunden erhebt sich die erste Hand in die Luft. Nach 38 Sekunden sind es schon 5 Hände. Immer mehr Hände gehen hoch. Nach 1 Minute 19 Sekunden hebt der letzte Schüler die Hand. Der Lehrer bittet die Schüler, ihre Augen wieder zu öffnen und löst das Experiment auf.
Dieses Experiment zeigt, wie schwer es Menschen fällt, den Verlauf der Zeit korrekt einzuschätzen.
Ein anderes Beispiel ist der witzige Sketch vom „Frühstücksei“, das nur rein zufällig und nach Gefühl genau viereinhalb Minuten gekocht hat.
Wie sollst du also einen Song mit gleichbleibendem Tempo singen, dabei ans Atmen, den Text und die Töne denken, wenn du noch nicht einmal eine Minute korrekt abschätzen kannst – obwohl du dich voll und ganz auf das Zählen konzentrierst?
Genau hier hilft dir ein Metronom.
Singen mit Metronom – 9 entscheidende Vorteile
Rhythmusgefühl ist ein Must-Have als Sänger. Das Metronom hilft dir dabei, es zu lernen.
Wenn du mit einem Metronom singen übst …
- … wirst du rhythmisch sicherer.
- … singst du in einem gleich bleibenden Tempo.
- … singst du jeden Durchgang im selben Tempo.
- … kannst du einschätzen, wie weit du vom Originaltempo oder vom Tempo der Band entfernt bist.
- … bereitest du dich auf eine Aufnahme im Tonstudio vor. Dort wird dir ein Clicktrack auf den Kopfhörer gelegt – eine Spur, auf der nur ein Metronom zu hören ist. Damit stellt der Produzent sicher, dass deine Gesangsspur später perfekt auf die Begleitung passt.
- … kannst du mit anderen Musikern mithalten.
- … singst du an kniffligen Stellen nicht plötzlich langsamer.
- … singst du nicht einfach schneller, weil es grad ganz leicht geht oder du im Flow bist.
- … trainierst du dein Gefühl für den Beat.
Sänger, die zu einem Metronom singen können, verinnerlichen das Klicken. Sie können den Beat in einem Song innerlich hören. Du kommst also nicht ins Schleudern, wenn das Schlagzeug plötzlich nur noch auf die 1 des Taktes spielt.
Diese Fähigkeit, den Beat innerlich zu hören, ist das Wichtigste als Sänger. Du kannst noch so schön singen. Wenn du jedoch das Tempo verschleppst, den anderen Musikern davon rennst oder dein Tempo stark schwankt, bleibst du als der Sänger in Erinnerung, der einfach kein Rhythmusgefühl hat!
Singen mit Metronom – Ich bin doch kein Roboter!
Sänger sind Menschen, keine Maschinen. Deshalb weigern sich so viele Musiker, nicht nur Sänger, mit Metronom zu üben. Sie brüsten sich damit, dass ihre rhythmischen Schwankungen Teil ihres individuellen Ausdrucks sind.
Vorsicht!
Dieses Aussage ist nur dann legitim, wenn du beides kannst.
Wie soll ein Popmusiker, der noch nie Jazz gespielt hat, wissen, ob es ihm Spaß macht, wenn er es nicht ausprobiert? Nur wenn er beides kennengelernt hat, seine Popmusik und die noch fremde Jazzmusik, kann er wirklich sagen, ob es von Vorteil ist, auch mal Jazz gespielt zu haben.
Das gleiche gilt für das Üben mit Metronom: Nur wer zum Metronom spielen kann, kann wissen, ob ihm seine Temposchwankungen lieber sind. Das ist der Unterschied zwischen Wissen und Gar-Nicht-Anders-Können.
Fazit
Mit Metronom zu singen kostet dich zwar Konzentration und Trainingszeit, bis du den Dreh raus hast. Es bringt dir aber zahlreiche Vorteile, die das Musizieren in der Band oder bei einer Jam Session leichter machen.
Nutze das Metronom, um ein besserer Sänger zu werden.
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- In den Turbo Tips Üben Nr. 4 geht es um Langsam singen üben und in der 5. Ausgabe ums Schneller singen üben.
- Ein Metronom kann dir auch helfen, den Songtext zu üben. Wie das geht, erkläre ich in den Turbo Tips Üben Nr. 11.

Jessica Pawlitzki
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