Equipment für Anfänger, Teil 1: Must Haves
Zum Singen brauchst du nur dich selbst und deine Stimme. Und ein paar wichtige Hilfsmittel, um dir das Üben und Lernen zu erleichtern. Im ersten Teil dieser zweiteiligen Serie „Equipment für Anfänger“ zeige ich dir die Must-Haves, mit denen das Proben leichter wird.
Equipment für Anfänger – Nr. 1: Klavier oder Keyboard
Keyboard-Kenntnisse sind für Sänger, die was bewegen wollen, einfach unverzichtbar. Ohne absolutes Gehör ist es schwierig, auf dem richtigen Ton und in der richtigen Tonart zu starten oder anzukommen. Ein Klavier oder Keyboard ist das perfekte Werkzeug, um genau das zu tun.
Ohne ein Klavier oder Keyboard, weißt du nicht …
- … ob du Einsingübungen korrekt singst.
- … ob du im Song die richtigen Töne singst.
- … ob du dich gerade in einem kritischen Bereich deiner Stimme befindest, in dem du vorsichtiger sein und dich mehr auf die Gesangstechnik konzentrieren musst.
Ja, Backing Tracks sind praktisch. Du musst sie jedoch oft anhalten, wenn du an einer Stelle im Song an der Gesangstechnik feilen willst. Außerdem ermöglicht dir ein Klavier oder Keyboard, die Warm-Up-Übungen in genau dem Tempo und in den Tonlagen zu singen, die deine Stimme braucht.
Nicht-Pianisten, habt keine Angst vor den 88 schwarzen und weißen Tasten! Als Sänger reicht es aus, wenn du dich auf der Klaviatur grob zurecht findest. Auch gegen ein Schummelblatt sagt niemand etwas. Als Nicht-Pianist solltest du wissen,
- wo hohe und tiefe Töne sind.
- wie die Stammtöne (weiße Tasten) heißen und wo sie liegen.
- in welchem Bereich der Tastatur deine Stimme liegt.
- in welchem Bereich deine Stimme Probleme hat.
- wie du dir während des Singens einen Ton spontan geben kannst.
Eine preisgünstige Alternative ist eine Klavier-App auf dem Mobiltelefon oder Tablet.
Equipment für Anfänger – Nr. 2: Noten
Du brauchst Noten für deine Songs. Du musst schließlich wissen, wie die Melodie geht. Außerdem solltest du jederzeit überprüfen können, ob du die richtigen Töne singst – ohne eine CD anzuwerfen und umständlich an die passende Stelle zu scrollen.
Ich weiß, dass ich mich mit dieser Meinung bei vielen Pop-Sängern unbeliebt mache. Ich habe jedoch schon zu oft ganze Unterrichtsstunden damit vertrödelt, einem Sänger die richtige Melodie beizubringen. Das hätte er zu Hause machen können, wenn er mit Noten geübt und hin und wieder überprüft hätte, ob Melodie und Rhythmus stimmen. Dann hätte ich in der Gesangsstunde mit ihm an Feinheiten wie der richtigen Technik für knifflige Stellen arbeiten können.
Wenn du Angst hast, deinem Gesangslehrer zu sagen, dass du keine Noten lesen kann oder dass du nicht weiß, wie du etwas üben sollst, kann ich nur sagen: Gesangslehrer sind auch nur Menschen. Du kannst mit ihm/ihr reden. Wirklich. Lieber verbringe ich 5 Unterrichtsstunden damit, dir Notenlesen, Beathalten und die Basics des Übens beizubringen, die du für jeden Song für den Rest deines Lebens verwenden kannst, als dass du 5 Jahre Gesangsunterricht mit Rumdruckserei verschleppst. Es ist dein Geld und unsere, also deine und meine, Zeit, die du da sinnlos verprasst.
Mit Noten verhinderst du, dass du dir Fehler antrainierst. Wiederkehrende Fehler sind wie Trampelpfade. Hast du ihn erst einmal angelegt, willst dann aber einen anderen Weg zu deinem Ziel nehmen, fällt es schwer, den einmal angelegten Trampelpfad nicht zu gehen, sondern stattdessen einen neuen anzulegen. Es ist dir dann zur Gewohnheit geworden, den falschen Trampelpfad zu benutzen, auch wenn er einen Umweg macht, oder es viel länger dauert, bis du an dein Ziel gelangst.
Equipment für Anfänger – Nr. 3: Notenständer
Sänger singen im Stehen, wenn sie wissen, was gut für sie ist. Damit du dich frei bewegen kannst, ist ein Notenständer unverzichtbar.
Ein Klavier / Keyboard besitzt ein integriertes Notenpult. Das ist jedoch nicht höhenverstellbar. Wenn du im Stehen auf ein solches Pult herunterschaust, beeinträchtigst du mit der Handy-Kopfhaltung die Funktion deines Kehlkopfs und handelst dir Nackenschmerzen ein.
Ideal ist ein massiver Notenständer, der auch mal ein schweres Songbook tragen kann, ohne in sich zusammen zu krachen. Diese Orchester-Notenpulte kosten zwar ein bisschen mehr als die billigen Klapp-Notenständer aus Alu, aber glaub mir, die Investition lohnt sich.
Stell dir den Notenständer so ein, dass du genau auf die Noten schaust, wenn du geradeaus guckst. Deine Körperhaltung sollte nicht beeinträchtigt werden. Ist er zu tief eingestellt, fallen die Schultern nach vorn und der Brustkorb sinkt ein. Dadurch kannst du nicht richtig atmen und deine Töne supporten. Die Noten in der Hand zu halten ist leider auch keine Alternative. Es führt zu ähnlichen Problemen wie ein zu tief eingestellter Notenständer – runde Schultern, Kopf in Handy-Haltung, Schmerzen im Nacken, schwere Arme.
Mit einem Notenständer kannst du aufrecht stehen und dich frei bewegen. Besonders große Sänger sollten das im Musikfachgeschäft testen.
Equipment für Anfänger – Nr. 4: Spiegel
Kein Sänger schaut sich beim Singen gern im Spiegel an. Er ist aber ein sehr wertvolles Hilfsmittel für Anfänger. Ein großer Spiegel ermöglicht dir, deinen Körper während des Singens zu beobachten.
- Beobachte deine Körperhaltung. Stehst du aufrecht? Fallen die Schultern nach vorn? Stehst du schief oder hältst den Kopf schräg?
- Beobachte deine Atmung. Atmest du in den Bauch? Bleiben die Rippen während des Ausatmens geweitet? Bleibt dein Körper entspannt?
- Beobachte dein Gesicht. Ist der Unterkiefer locker? Machen deine Lippen während eines langen Tons, was sie wollen? Turnt deine Zunge im Mund? Lächelst du und zeigst deine Freude am Singen?
Du musst nicht ständig vor dem Spiegel üben. Gerade Anfänger-Sänger profitieren jedoch davon, ihren Körper regelmäßig im Spiegel zu überprüfen – beim ganz normalen Singen und besonders an kniffligen Stellen im Song. So findest du heraus, wie du beim Singen natürlich aussiehst und dich auch so bewegst.
Equipment für Anfänger – Nr. 5: Stifte
Sicherlich hast du schon einmal erlebt, dass dein Gesangslehrer zu dir sagte: „Achte an dieser Stelle bitte auf XYZ.“ Dann fängst du an zu singen und vermasselst die Stelle, weil du eben nicht dran gedacht hast. Schreib dir solche Dinge auf. Deine Noten müssen nicht blütenrein bleiben.
Notizen helfen dir, dich an bestimmte Dinge zu erinnern, während du singst. Das können Details aus der Gesangstechnik sein, aus der Musiktheorie oder eine Anweisung für den Pianisten bzw. die Band.
- An welchen Stellen du atmen willst.
- Wo du auf deine Haltung achten musst.
- Wann ein schwieriger Vokal ankommt.
- Wo du das T am Ende des Wortes immer vergisst.
- Wie der Rhythmus in den Beat passt.
- Nach wie vielen Schlägen dein Einsatz kommt.
- Wo die Wiederholung ist.
- Und wo du vom Dal Segno in die Coda springen musst.
- Welche Takte du streichen wolltest, um den Song vorwärts zu bringen.
- Wie schnell das Tempo ist.
- Wie der Ablauf ist.
Für die Gesangstechnik und Hinweise benutze ich einen Bleistift. Diese können sich schnell ändern, z.B. wenn du eine Sache verinnerlicht hast und keine Erinnerung mehr brauchst. Für musikalische Markierungen (Wiederholungszeichen, Da Capo, etc.) benutze ich gern farbige Highlighter. Die Farben erleichtert mir die Orientierung innerhalb des Leadsheets.
Equipment für Anfänger – Nr. 6: Metronom
Ein Metronom hilft dir, das Tempo einzuhalten. Jeder Musiker hat eine Hassliebe zum Metronom. Trotzdem benutzen sie es, denn es ist einfach super hilfreich. Es zwingt dich, im richtigen Tempo zu singen. Außerdem kannst du damit die Tempi deiner Songs herausfinden und diese auf deine Noten schreiben – so hat ein fremder Pianist, der dich oder den Song nicht kennt, sofort eine Idee, wie schnell du singen willst. Mehr Infos über den Sinn eines Metronoms für Sänger findest du im Artikel „Singen mit Metronom – ist das nötig?“.
Fazit
Mit diesen 6 Werkzeugen hast du die Grundausrüstung, um Gesang zu üben und dabei wirkliche Fortschritte zu machen. Sie schulen deine Fähigkeiten als Sänger und Musiker und steigern dein bewusste Handeln als Gesangsschüler.
Den zweiten Teil der Reihe „Equipment für Anfänger“ findest du hier. Dort zeige ich dir die Nice to Haves, die dein Lernen vertiefen.
Verwandte Artikel:

Jessica Pawlitzki, 2017
Nathan Dumlao, Unsplash
Brooke Lark, Unsplash
Melany Rochester, Unsplash
Jessica Pawlitzki, 2017
Jessica Pawlitzki, 2025
Raj Rana, Unsplash
Jessica Pawlitzki, 2024
Jessica Pawlitzki, 2017
Jessica Pawlitzki, 2017
Hinterlasse ein Kommentar
An der Diskussion beteiligen?Hinterlasse uns deinen Kommentar!