Wie Anfänger sofort besser klingen

Anfänger müssen beim Singen so viel beachten. Du machst und tust – und doch trittst du scheinbar auf der Stelle. Deshalb stelle ich dir heute 4 fundamentale Fähigkeiten vor, mit denen dein Gesang sofort besser klingen kann. Diese Tools eignen sich vor allem für Anfänger.

 

1. Fähigkeit: Legato singen

Den größten Unterschied, den Anfänger im Gesang noch nicht kennen: Singen ist nicht Sprechen. Beides wird im Kehlkopf produziert. Der Schall, der aus dem Kehlkopf kommt, wird jedoch anders behandelt.

Beim Singen sind die Tonhöhe und die Verbindung zwischen den Wörtern anders als beim Sprechen. Beide bestimmen, ob du Legato singst oder nicht.

 

Was ist Legato? 

Legato bedeutet auf Italienisch „gebunden“. Es bedeutet, dass aufeinanderfolgende Töne ohne Unterbrechung erklingen sollen. Am Beispiel von „Alle meine Entchen“ zeige ich dir, wie es klingen soll (gebunden) und wie es nicht klingen soll (nicht gebunden):

 

 

Du hörst sehr deutlich, dass ich die Dauer der Töne verändert habe und dadurch auch die Verbindung zwischen den Wörtern. Beim Sprechen sind die Töne sehr kurz. Beim Singen musst du sie hingegen lang aushalten. Wie lang? Genau so lang, wie der Notenwert vorgibt. Vielleicht ist dir auch aufgefallen, dass es mir beim Nicht-Legato-Singen, das mehr Sprechsingen als wirkliches Singen war, schwerer fiel, die exakten Tonhöhen zu treffen. Das Lied klang dadurch angestrengter und manche Töne waren nicht astrein.

 

Was ist die Verbindungen zwischen den Wörtern?

Beim Sprechen ist die Verbindung zwischen Wörtern tendenziell abgehackt. Besonders in der deutschen Sprache findest du viele sogenannte Wortzäsuren (Einschnitte oder Pausen zwischen oder innerhalb von Wörtern). Als Muttersprachler machst du dir keine Gedanken darüber. Kritisch wird es, wenn ein Deutscher Englisch (oder eine romanische Sprache wie Italienisch oder Französisch) singt und sich wundert, warum man ihm sagt, er klänge typisch deutsch. Im Englischen gibt es auch beim Sprechen viel mehr Verbindungen zwischen den Wörtern.

 

Ein Beispiel: „On my own pretending he’s beside me“. Sprich es bitte einmal wie einen großen, knätschigen Kaugummi aus: „onmyownpretendinghesbesideme“. Du sprichst also nicht mehr „on (Pause) my (Pause) own“, sondern „oooo-nmaaaa-ioooo-un“. Und statt „pre-(Pause)-tend-(Pause)-ing (Pause) he’s (Pause) be-(Pause)-side (Pause) me“ sprichst du „priiii-teeee-nnndiiii-nnghiiii-sbiiii-saaaai-dmmmiiii“. Genau das musst du beim Singen machen.

 

Eine Legato-Verbindung innerhalb und zwischen den Wörtern hängt davon ab, wie schnell du mit den Konsonanten fertig wirst. Beim Singen hältst du die Vokale lang aus und singst die Konsonanten kurz.

 

Wie du Legato trainierst

Du brauchst:

  • stabile Atmung
  • genaues Gehör oder ein Aufnahmegerät mit Abspielfunktion
  • Konzentration
  • Geduld beim Umlernen

 

Du übst:

  • nur die Vokale singen
  • Verbindungen zwischen Konsonant und Konsonant üben
  • langsam
  • 5 Minuten pro Übe-Einheit

 

2. Fähigkeit: die richtigen Töne singen

Singen unterscheidet sich noch in einem weiteren Punkt vom Sprechen: Der Tonhöhe. Dazu gibt es zwei Regeln:

  1. Beim Singen muss du die Tonhöhe genau treffen, sonst klingst du schief.
  2. Die getroffene Tonhöhe musst du stabil aushalten können. Wenn du einen langen Ton anfängst zu singen und am Ende auf einem anderen Ton endest, machst du das nicht. Manchmal liegt das Problem an der Atmung; manchmal aber auch an einem untrainierten Gehör.

 

Neben der allgemeinen Intonation ist es natürlich wichtig, dass du auch die richtigen Töne für den Song singst. Würde ich „Alle meine Entchen“ so singen, wie du es unten im Beispiel hörst, würdest du sagen, dass ich falsch singe. Die Melodie stimmt einfach nicht. Das Gleiche gilt übrigens, wenn ich nicht die komplette Melodie verändert hätte, sondern nur ein paar Töne ein bisschen daneben gewesen wären.

 

 

Wenn du sofort besser klingen willst, musst du also an deiner Intonation arbeiten. In erster Linie musst du die Töne exakt treffen können – ganz allgemein beim Vorsingen und Nachsingen, aber auch in einem Song. Wenn das klappt, kannst du das Töne aushalten üben.

 

Wie du Intonation trainierst

Du brauchst:

  • ein Klavier oder eine Klavier-App
  • ein Stimmgerät oder eine App zur Tonhöhenkontrolle
  • ein bisschen Musiktheorie-Wissen (Halbtöne, Ganztöne, die grundlegenden Intervalle, die gängigen Tonleitern)
  • genaues Gehör oder ein Aufnahmegerät mit Abspielfunktion
  • Konzentration
  • Geduld

 

Du übst:

  • Einzeltöne nachsingen, die du dir auf dem Klavier gibst
  • Einzeltöne mit der App oder einem Stimmgerät überprüfen
  • Intervalle singen
  • Tonleitern singen
  • 10 Minuten pro Übe-Einheit mit voller Konzentration

 

3. Fähigkeit: mit Dynamik singen

Sicherlich hast du schon mal einen Sänger gehört, der mit seinem Gesang dein Herz berührt hat. Im ersten Moment fiel dir dabei der tolle Klang seiner Stimme auf oder der Text, mit dem du dich identifizieren konntest. Was den wenigsten auffällt, ist die Dynamik.

 

Was ist Dynamik? 

Dynamik ist Lautstärke.

Sie kann auf einheitlichen Levels stattfinden, in gleitenden Übergängen oder abrupten Veränderungen. Die einheitlichen Level bedeuten, dass alle Töne über einen längeren Zeitraum gleichlaut sind. Dafür werden die Basis-Lautstärken piano (leise), mezzoforte (mittellaut oder normal) und forte (laut) benutzt. Gleitende Übergänge schaffst du mit crescendo (lauter werden) und decrescendo (leiser werden). Abrupte Veränderungen sind Akzente, also plötzliche Veränderungen der Lautstärke für meist einen einzigen Ton.

Sänger regeln Lautstärke übrigens über die Atmung, nicht über Muskelkraft im Hals. Der Hals sollte beim Singen locker bleiben – keine Sehnen, die hervortreten und kein raues, heiseres Gefühl nach dem Singen! Wenn deine Atmung stabil ist und du gut supportest, kannst du größere Unterschiede in der Dynamik singen.

 

Die Arbeit an deiner dynamischen Bandbreite ist aus 2 Gründen wichtig und beide haben mit unserer Umwelt zu tun.

Zum einen sind wir aus Radio, Fernsehen und Studioalben einen sehr einheitlichen Klang gewöhnt. Du findest kaum Songs, deren Lautstärke deutlich von den anderen Songs abweicht. Plattenfirmen wünschen sich das so und lassen extra so abmischen.

Zum anderen macht uns die liebe Technik einen Strich durch die Rechnung. Mikrofone können nur einen mittelgroßen Dynamikbereich abdecken, ohne dass der Tontechniker ins Schwitzen gerät. Je einheitlicher ein Sänger also singt, umso leichter fällt ihm die Arbeit.

 

Beides führt dazu, dass sich Sänger heutzutage kaum mehr trauen, mit Dynamik zu singen – oder es einfach nicht gelernt haben. Dabei gewinnt gerade Unplugged-Gesang durch verschiedene Lautstärken enorm an emotionaler Tiefe. Denk nach: Wann singst du ohne Mikrofon? Sofern du nicht professioneller Sänger bist (Chapeau! dass du dich für diesen Artikel interessierst), eigentlich immer. Zuhause, beim Grillen mit Freunden, im Gesangsunterricht, im Auto, beim Einsingen vor einem Auftritt. All das sind super Gründe, an deiner Dynamik zu arbeiten.

 

Wie du Dynamik trainierst

Du brauchst:

  • genaues Gehör oder ein Aufnahmegerät mit Abspielfunktion
  • Konzentration
  • Geduld

 

Du übst:

  • Einzeltöne in den 3 Basis-Lautstärken piano, mezzoforte und forte singen
  • eine leichte Melodie in den Basis-Lautstärken singen
  • einen Abschnitt deines Songs in den Basis-Lautstärken singen
  • in einem Song Übergänge singen
  • 5-10 Minuten pro Übe-Einheit

 

4. Fähigkeit: mit Rhythmusgefühl singen

Das vierte Tool, um als Anfänger-Sänger sofort besser zu klingen, ist der Rhythmus. Wie gut oder schlecht ein Sänger ist, zeigt sich daran, ob er das Tempo konsequent durchhält und die Noten im richtigen Rhythmus dazu singt.

Rhythmusgefühl ist eine Kombination aus der Fähigkeit, den Beat einzuhalten und innerhalb dieses gleichmäßigen Rasters die Töne zur richtigen Zeit zu singen, d.h. im Rhythmus.

 

Was ist Beat? 

Der Beat, auch GrundschlagPuls oder Metrum genannt, ist die Einteilung der Zeit in gleichmäßige Abschnitte. Der Abstand der Beats zueinander wird vom Tempo bestimmt. Bei einem schnellen Song folgen die Beatschläge schneller aufeinander, während bei einem langsamen Song mehr Zeit zwischen den Beats vergeht.

 

Nimm den Sekundenzeiger einer Uhr. Er teilt die Zeit in gleichmäßige 1-Sekunde-Päckchen ein. Jeder Song hat dieses gleichmäßige Ticken. Der Puls ist die Grundlage dafür, dass mehrere Musiker zusammen musizieren können. Jeder von ihnen fühlt den Beat oder hört ihn innerlich.

 

Und was ist dann Rhythmus? 

Dieser baut sich auf dem Beat auf. Rhythmus ist die Anordnung unterschiedlich langer Töne auf das Raster der Beats. Nicht jeder Ton ist gleich lang. Manche Töne sind genau einen Schlag lang. Manche Töne werden ausgehalten und erhalten 2, 3, oder 4 Beats. Andere Töne singst du hingegen viel schneller als den Beat. Diese Verknüpfung unterschiedlicher Notenwerte macht den Rhythmus aus.

 

In Kinderliedern sind die Rhythmen oft sehr einfach. In „Alle meine Entchen“ findet du bereits die wesentlichen Rhythmen: Viertelnoten („alle meine“, „schwimmen auf dem“, „Köpfchen in das“, „Schwänzchen in die“), halbe Noten („Entchen“, „Wasser“) und ganze Noten („See“, „Höh“). Lege ich den Beat in Form von Punkten unter den Text, siehst du sofort, welche Wörter du lang aushalten musst und welche genau einen Schlag lang sind.

Sofort besser klingen mit einem klaren Beat

 

Die Arbeit am Beat ist tausendmal wichtiger als die Arbeit am Rhythmus. Denn schwankt dein Beat, kannst du die tollsten rhythmischen Kunststücke vollführen und klingst trotzdem lausig. Wenn du den Beat stabil einhalten kannst, folgt natürlich die Arbeit am Rhythmus. Zusammen machen Beat und Rhythmus das Rhythmusgefühl aus.

 

Wie du Rhythmusgefühl trainierst

Du brauchst:

  • ein Metronom
  • Songs auf einer CD / Spotify / Youtube
  • ein bisschen Musiktheorie-Wissen (Notenwerte, Pausenwerte, Taktarten)
  • Noten deines Songs
  • genaues Gehör oder ein Aufnahmegerät mit Abspielfunktion
  • Konzentration
  • Geduld

 

Du übst:

  • den Beat eines beliebigen Songs finden und mitklatschen
  • den Beat klatschen, dann den Song auf Pause schalten und ohne musikalische Unterstützung den Beat weiterhin im korrekten Tempo einhalten
  • den korrekten Rhythmus eines einzelnen Takts aus deinem Song klatschen
  • den Rhythmus eines Abschnitts aus diesem Song korrekt klatschen
  • 5-10 Minuten pro Übe-Einheit

Für das Rhythmustraining empfehle ich dir den „Rhythm Coach“ von Richard Filz.

 

Fazit

Die 4 Fähigkeiten, mit denen Sänger sofort besser klingen, sind Legato singen, Intonation, Dynamik und Rhythmusgefühl. Anfänger werden diese Fähigkeiten trainieren müssen. Dafür habe ich dir genau aufgeschlüsselt, was du für ein erfolgreiches Training brauchst und was du machen musst. Für fortgeschrittene Sänger ist das sicherlich ein kleiner Auffrischungskurs – perfekt für die Freizeit im Sommer.

Du fandest diesen Artikel interessant oder hilfreich? Dann teile ihn!

0 Kommentare

Hinterlasse ein Kommentar

An der Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

9 − neun =