Wie du wieder zurück zur Musik findest

Sänger können sich glücklich schätzen. Sie haben zweimal im Jahr Gelegenheit, musikalische Ziele ins Auge zu fassen: im Januar und im Herbst, wenn das neue Schuljahr beginnt.

Der Weg zurück zur Musik kann lang dauern. Egal, ob du länger nicht mehr gesungen hast oder ob du nur den Sommer über ausgesetzt hast. Schuld ist planloses Üben.

Deshalb zeige ich dir, wie du deine persönliche Vision entwickelst, wie du Ziele ausarbeitest und daraus eine Gesangsroutine entsteht. Mit diesem Zurück zur Musik! Plan startest du im Gesang blitzschnell durch.

 

Bis zu den Sternen und weiter

Nimm dir die Raumfahrt des 20. Jahrhunderts als Beispiel.

Einst träumten die Menschen davon, in ferne Galaxien zu reisen. 1969 wurde dieser Traum ein Stück realer, als Neil Armstrong auf dem Mond landete.

Das war nur möglich, weil aus puren Träumen konkrete Ziele und Pläne wurden. Ohne Ziele hätten die Raumfahrtpioniere nicht gewusst, in welche Richtung sie sich entwickeln wollen. Und ohne Pläne wären ihre Ziele wie gute Vorsätze im neuen Jahr einfach verpufft.

Entwickle deine persönliche Vision als Sänger

Nimm Papier und Stift zur Hand und gönn dir 30 Minuten ungestörte Ruhe.

In die Mitte des Blattes schreibst du deinen Namen. Drumherum schreibst du alles auf, was du als Sänger(in) schon immer singen, tun und erreichen wolltest.

Die folgenden Fragen können dir dabei helfen:

  • Was möchtest du als Sänger(in) erreichen?
  • Wo siehst du dich in 5 Jahren?
  • Welche Songs willst du singen können?
  • Welcher Sänger oder welche Sängerin ist dein Vorbild?
  • Welches Genre fasziniert dich?
  • In welchen Sprachen willst du singen können?

Fang an. Ich warte hier auf dich.

 

Bist du fertig mit deiner Liste?

Gut.

Jetzt kommt der Realitätscheck. Du musst auswählen, welche deiner Träume momentan am ehesten zu verwirklichen sind.

Schreibe sie auf ein neues Blatt Papier, denn das sind deine Ziele.

Wie du deine Ziele verwirklichst

Damit sie Realität werden, untermauerst du deine Ziele mit konkreten Plänen. Benutze die W-Fragen (Was? Wer? Wie? Wo? Wann?), um sie in machbare Schritte zu unterteilen.

Die W-Fragen können so lauten:

  • Wie erreichst du dein Ziel?
  • Welche Hilfsmittel brauchst du?
  • Wer kann dir bei der Verwirklichung helfen?
  • Wo findest du Unterstützung?
  • Wann möchtest du das Ziel erreicht haben?

Deine Ziele sind mit etwas Anstrengung erreichbar, wenn du sie in kleinere Zwischenziele unterteilst. Damit erzielst du schneller Erfolgserlebnisse.

Unterteile deine Antworten auf Wann-Fragen zusätzlich in kurzfristig und langfristig (z.B. 3-4 Monate und 1 Jahr). Dadurch erkennst du leichter, ob du Teilziele früher erreichen kannst oder schon erreicht hast. Wertschätze die kleinen Erfolgsmomente!

Wenn du unsicher bist, wie du ein Ziel genau in einen Plan unterteilen kannst, bitte deinen Gesangslehrer um Hilfe. Er hat einen besseren Überblick über deine stimmlichen Stärken und Schwächen. Er kann dir helfen, sinnvolle Zwischenziele zu erkennen.

 

Eine gute Routine ist Gold wert

Der Schlüssel zum Erfolg ist, dass du deine Ziele kontinuierlich verfolgst.

Wenn du dich als Sänger(in) verbessern willst, musst du üben.

Das gelingt (Wieder-) Einsteigern an einfachsten mit einer Routine. Sie bringt dich Stück für Stück deinen Zielen näher bringt. Du entwickelst gute Gewohnheiten, die dich zu einem disziplinierten, leistungsstärkeren, einem besseren Sänger machen.

Zudem bietet sie dir einen roten Faden. In schlechten Zeiten tastest du dich an ihr entlang, ohne vom Weg abzukommen. In guten Zeiten kannst du messen, wie weit du gekommen bist.

Deshalb funktioniert sie.

 

Was meine ich nun mit „gute Routine“?

Nun, das ist eine Routine, die für dich, für dein Leben und deinen sängerischen Entwicklungsstand funktioniert. Sie ist nicht perfekt und selten ideal. Aber sie motiviert dich!

Eine gute Routine ist so verschieden, wie die Sänger, die sie benutzen. Doch es gibt gemeinsame Elemente, die in vielen funktionierenden Gesangsroutinen auftauchen.

  • Eine gute Routine wird regelmäßig ausgeführt.
  • Sie passt sich künstlerischen Wünschen und individuellen Stärken und Schwächen an. Sie bleibt flexibel.
  • Sie ist effektiv und beinhaltet alles, was zu deiner Weiterentwicklung nötig ist.
  • Sie fördert gute Gewohnheiten, Durchhaltevermögen und Disziplin.
  • Sie schafft ein Sicherheitsnetz, auf das du zurückgreifen kannst, wenn die äußeren Umstände mal schlecht laufen.

Dies sind nur die allgemeinen Elemente.

 

Eine Gesangsroutine besteht aus bestimmten Bausteine, die dir das Singen Lernen erleichtern.

Baustein 1: Ein Warm Up mit festem Ablauf. Diese feste Reihenfolge kann zum Beispiel sein: Körper und Atmung wecken, Tiefe lockern, Höhe aufwärmen, Resonanz wecken, Artikulation lockern. Berücksichtige dabei deine individuellen Bedürfnisse.

Baustein 2: Ein Cool Down. Auch dieses kann einem festen Ablauf folgen.

Baustein 3: Ein Übe-Plan mit festem Ablauf, z.B. Warm Up, Arbeit an der Gesangstechnik, Arbeit am Song (musikalisch und interpretatorisch), Durchlauf-Probe, Cool Down.

Die Arbeit an deiner Gesangstechnik sollte sich immer an deinem derzeitigen Schwerpunkt orientieren. Wenn du im Gesangsunterricht oft Staccato-Übungen singst, nützt es wenig, die Übungen im Legato zu singen. Dabei behinderst du dich selbst, denn du trainierst nicht das, was dich vorwärts bringt.

Die Durchlauf-Probe ist optional, wobei ich keinen Schüler kenne, der zum Ende des Übens den Song nicht doch nochmal „nur zum Spaß“ komplett durchsingt.

Besonders effektiv ist eine Durchlauf-Probe, wenn du an mehreren Songs parallel arbeitest. Denn meist arbeitest pro Übesession du nur an einem Song intensiv. In der Durchlauf-Probe kannst du dann die anderen Songs durchsingen und sehen, wie sie sich entwickelt haben.

Baustein 4: Übungen und Methoden, die für dich funktionieren und auf die du jederzeit zugreifen kannst. Leg dir ein Notizheft an, in dem du diese aufschreibst.

Baustein 5: Eine gesunde Lebensweise, z.B. gesunde Ernährung, ausreichend Sport und Schlaf, Allergieauslöser vermeiden.

Die Ernährung ist an sich schon ein sehr individuelles Thema. Wer sich mit Sänger-Ernährung gar nicht auskennt, verändert immer nur eine Sache und schaut, wie Körper und Stimme darauf reagieren. Gleiches gilt für den Schlaf.

Interessant wird es beim Sport. Sänger müssen nicht viel Kraft haben, dafür aber umso mehr Flexibilität und Körperbewusstsein. Yoga oder Pilates helfen dir, eine neue Sensibilität für deinen Körper zu erlangen. Arbeite mit dem aktuellen Zustand des Körpers, nicht dagegen. Dein Körper ist dein Instrument!

Warum du Unterstützung brauchst

Bei allen Veränderungen, die eine neue Gesangsroutine mit sich bringt, ist es wichtig, dass du ein Netz an Supportern hast. Das können deine Eltern, deine Freunde und auch dein Gesangslehrer sein.

Tausche mit deinem Gesangslehrer nicht nur die notwendigen Kontaktdaten aus. Besprich mit ihm auch deine sängerischen Ziele und deine Erfahrungen mit der Gesangsroutine. Er kennt deine Stimme wahrscheinlich besser als du und kann dir wertvolle Tipps geben.

Deine Supporter helfen dir in schwierigen Zeiten. Sie haben offene Ohren für deine Probleme, geben Ratschläge und zeigen dir Perspektiven auf, die du noch nicht gesehen hast.

Und sie teilen mit dir die Glücksgefühle in besonderen Momenten.

I Am A Material Girl

Wir Sänger sind schon Glückspilze. Wir müssen für unser Instrument keinen Kredit abbezahlen und zusätzliche Versicherungen im Schadensfall sind auch nicht nötig. Doch ganz ohne Hilfsmittel kommen wir auch nicht aus.

 

Auf der folgenden Ressourcen-Liste stehen praktische Dinge, die das Üben und Singen Lernen erleichtern und damit deine Entwicklung als Sänger unterstützen.

  • Ressourcen im Unterricht und zuhause:
    • Ordner, Hefte, Einsteckmappe o.Ä. Meine Sänger sammeln darin Noten, Texte, Übersetzungen, die zu ihren Songs gehören.
    • Gesangsnoten (Bitte nur legal!)
    • Notizbuch und Stifte. Um Hausaufgaben, Songlisten, Ziele und Übeprogramme zu notieren.
    • Wasserflasche
    • evtl. Aufnahmegerät
    • Tasche
  • Ressourcen zuhause:
    • Klavier oder E-Piano
    • Notenständer
    • Metronom
    • Zugang zum Internet. Für Karaoketracks, Notenkauf und mehr.
    • Zugang zu einem Drucker, inkl. Druckerpapier und gefüllter Tintenbehälter
    • Internetadresse oder Telefonnummer des bevorzugten Notenhandels
    • evtl. Gesangsanlage

 

Überprüfe außerdem, ob dein Überaum zuhause noch optimal eingerichtet ist. Ist alles einfach zu erreichen? Fühlst du dich darin wohl? Kannst du dich darin konzentrieren?

Räume um, wenn neues Equipment einzieht. Stell das neue Mikrofon mit Verstärker nicht einfach irgendwo ab und hoffe, dass es schon funktioniert. Mach dir Gedanken darüber, wo sich alles befinden soll, damit du in deiner Übezeit produktiv arbeiten kannst.

 

Dein persönlicher Zurück zur Musik! Plan

Hier noch einmal die wichtigsten Schritte in der Zusammenfassung.

  1. Brainstorme deine persönliche Vision als Sänger. Was motiviert dich?
  2. Wähle daraus deine Ziele aus. Was ist aktuell realisierbar?
  3. Unterfüttere deine Ziele mit einem konkreten Plan. Wie kannst du es verwirklichen?
  4. Pack es an und entwickle deine Gesangsroutine. Was musst du konkret tun?
  5. Dann tu es :)
  6. Such dir Unterstützung bei deinen Supportern. Wer hilft dir?
  7. Halte deine Ressourcen in Ordnung, um produktiv üben zu können. Was steigert deine Produktivität?

 

Und nun du.

Was ist dein Ziel? Wie sieht deine Vision von dir als Sänger aus? Welche Elemente sind für dich essentiell in einer Gesangsroutine?

Du fandest diesen Artikel interessant oder hilfreich? Dann teile ihn!

0 Kommentare

Hinterlasse ein Kommentar

An der Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

eins × 1 =