Wem du eine Aufnahme aus dem Probenraum vorspielen solltest
Gruselig. Nützlich. Eine Aufnahme aus dem Probenraum kann beides sein. Wann du negative Feedback bekommst und wann positives, hängt davon ab, wem du sie vorspielt.
Das eigene Singen aufzunehmen, hilft dir enorm weiter.
Wenn du erst einmal darüber hinweg bist, dass du dich schrecklich anhörst.
Also beim 2., 3. oder 10. Anhören.
Was nützt die eine Aufnahme?
Eine Ton- oder Video-Aufnahme aus dem Probenraum ist dein Coach fernab vom Gesangsunterricht. Wie deine Töne klingen und deine Bewegungen aussehen, das zeigt sie dir objektiv.
Sie beschönigt nichts.
Sie verschlimmert nichts.
Sie ist.
Doch wenn du dich zum ersten Mal beim Üben aufnimmst, unterschätzt du sicherlich deine eigenen Fähigkeiten, Unterschiede zu hören. Stattdessen suchst du Rat von Anderen.
Unangenehme Kritik ist häufig die Folge.
Denn das Feedback von Familie und Freunden reicht von neutral bis niederschmetternd. Nur selten ist es positiv oder nützlich.
Wem zeigst du eine Aufnahme aus dem Probenraum?
Eine meiner Sängerinnen richtete vor einiger Zeit diese Frage an mich.
Eine Aufnahme aus dem Probenraum ist keine Hollywood-Produktion. Sie hat ein ganz anderes Publikum:
DICH.
Richtig gelesen.
Die Aufnahme ist nur für deine Ohren und Augen bestimmt. Du allein weißt, woran du gerade arbeitest. Wo deine Schwachstellen liegen und welche Stellen im Song deine Stärken betonen.
Genau da liegt auch das Problem.
Spielst du ein spontanes Recording während des Übens einem Nicht-Sänger vor, wirst du kein brauchbares Feedback erhalten. Dann hört er vielleicht den einen schiefen Ton, während du gerade deine Aussprache trainiert hast. Oder er konzentriert sich auf den Klang deiner Stimme und nicht, ob du rhythmisch exakt zum Backing Track warst.
Ein Nicht-Sänger versteht nicht, was du da gerade tust. Er hört es nicht! Deshalb fällt das Urteil knallhart und demotivierend aus.
Probe-Aufnahmen sind Momentaufnahmen.
Sie sind nur für deine Ohren bestimmt.
Und evtl. die deines Vocal Coaches.
Vertrau dir selbst
Hör oder sieh dir die Aufnahme mehrfach an. Wenn es dich gar zu sehr gruselt, wie du auf der Aufnahme klingst, dann gern erst nach ein paar Tagen. (Notiere dir in dem Fall, wann du aufgenommen und woran du in dem Moment gearbeitet hast.)
Schau sie bewusst und konzentriert an. Oder lausche bei der Autofahrt oder der Hausarbeit unbewusst nebenbei.
Mit der Zeit entwickeln sich dein Gehör und dein Blick.
Du wirst also immer besser darin, die Unterschiede zu hören und zu sehen.
Gib dir selbst die Zeit für diese Entwicklung.

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Jessica Pawlitzki, 2016
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